Das Heimatbuch ist ein textiles Buch aus der Zeugfärberei Gutau, entstanden in Zusammenarbeit mit 45 Künstler:innen in verschiedenen textilen Techniken wie Blaudruck, Cyanotypie, Weberei, Stickerei u.a.
Die Grundlage dafür sind Interviews mit ursprünglich nicht im Mühlviertel heimischen Menschen aus dem Freien Radio Freistadt – mit dem FRF hat die Zeugfärberei hier im Rahmen eines Extra23-Projekts kooperiert.
https://www.zeugfaerberei.at/praesentation-ein-heimatbuch/


Esteban stammt ursprünglich aus Mexiko, wo er mit vier Brüdern und seiner Familie aufwuchs. Nach seiner Ausbildung als Techniker half er seiner Mutter, die ein Hebammenhaus betreibt, und erlernte die Hebammenkunst. Wegen der Liebe zog er mit seiner Frau, die er während ihres Praktikums im Hebammenhaus kennengelernt hatte, nach Österreich. Im Mühlviertel, Oberösterreich, wurde seine Berufspraxis jedoch nicht anerkannt. Sein größter Wunsch ist es, die Hebammenausbildung zu absolvieren und das Wissen der mexikanischen Betreuung von Schwangeren und der Geburtsvorbereitung einzubringen.
Aufgrund seiner bisherigen Lebensgeschichte fiel die Wahl der Materialien auf Windelstoff, medizinische Gaze und feines Leintuch.
Der Windelstoff auf der linken Buchseite wurde mit einem purpurnen Raster versehen, das an die traditionelle Färbung mit der Purpurschnecke in Mexiko erinnert. Auf der rechten Seite wurde ein weißes Raster aufgenäht, das an die europäische Tradition des Blaudrucks erinnert. Diese Rastersysteme symbolisieren die jeweiligen Kulturen. Geradlinigkeit und der rechte Winkel sind kulturelle Konstrukte, die in der Natur nicht vorkommen.
Die Schichtungen zeigen den kulturellen Transfer. Die Gaze wurde so manipuliert, dass wellenartige Strukturen entstanden, die die Reise über den Pazifik symbolisieren.
Die Textzeilen sind aufappliziert. Da es sich um Fragmente aus einem Interview handelt, wurden industriell gefertigte Baumwollstoffe in Blau und Weiß verwendet, wobei die Buchstaben mit Lasergravur in Weiß ausgeführt wurden. Dies verweist auf das digitale Archiv der Radioaufzeichnung.
Die lasergravierte Bildszene in Blau und Weiß, teilweise mit fadentätowierten Nähten versehen, basiert auf einem Mural des Künstlers Francisco Eppens an der Frontfassade der medizinischen Universität von Mexiko. Sie thematisiert Estebans Wunsch, eine staatlich anerkannte Hebammenausbildung abzuschließen und eine Studie über traditionelle mexikanische Geburtspraktiken durchzuführen.
Die Textzeilen zeigen nicht nur die Thematik der Migration, sondern auch die Stellung der Geschlechtergleichberechtigung in den jeweiligen Kulturen.

Grundmaterialien:
Windelstoff (Baumwolle), Indigo handgefärbt, uni
Medizinische Baumwollgaze, Indigo handgefärbt, uni
Feines Leintuch (Baumwolle), Indigo handgefärbt in Reservierungstechnik
Hemdenstoff, Leinwandgewebe in Indigoblau und Weiß, Schrift gelasert
Jeansstoff, Schrift gelasert
Feines Leintuch (Baumwolle), partiell gefärbt und gelasert
Nähgarne (Baumwolle) in Purpur, Orange, Blau, Dunkelblau und Weiß
Techniken:
Applikationstechniken, Lasergravur, Reservierungstechnik, Fadentätowierung mit Nähmaschine
Manuel Wandl 2024
weitere KünstlerInnen:
Bruner Martin, Reiter Magdalena, Yamuna Valenta, Bauer Anita, Skupin Moira, Eigner Martina, Schuller Gabriele, Wegscheider Janina, Essl Felix, Ludwig Melanie, Wagner Maria, Leitner Christina, Goldgruber Anna, Lasthofer Iris, Farina Erika, Pilz Barbara, Satomi Mika, Bageritz Carlotta, Kempter Barbara, Lasinger Martin, Geishofer Karin, Jungwirth-Heßl Edeltraud, Siamak Panah, Schwack-Koó Miriam, Schuber Anneliese, Ranzenhofer Angelika, Keller Teresa, Becker Kathrina, Heppner Lula, Walcher Maria, Thürriedel Edda, Haslinger Eva, Kim Misa, Sabaini Maria, Steiner Maria, Wilhelm Alexander, Neuber Klara, Kaiserseder Bettina, Passenbrunner Julia, Altmann Karin, Jordan Petra, Moos Veronika, Emelina Galina, Wagner Birgit

