The Bridge

The Bridge mit Arbeiten von Khristina Vysotskaya (blaues Gewebe) und Manuel Wandl (weißes Gewebe) 2022

2022
Raumkonstruktion für textile künstlerische Arbeiten
4m x 1,6m x 2m
Bambus, Stahlseil

Idee und Konzeption: Manuel Wandl 2022
technische Adaptierung und Umsetzung: Igor Vysotskaya, Khristina Vysotskaya 2022
Fotos: Khristina Vysotskaya und Manuel Wandl 2022

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit Tensegrities. Die Objekte, bestehend aus Druckstäben und Zugsystemen, gehen auf Arbeiten des lettischen Konstruktivisten Karlis Johansons in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zurück. Der amerikanische Bildhauer Kenneth Snelson und sein Professor Buckminster Fuller machten diese Art der Konstruktionen 30 Jahre später Welt berühmt. Die Technik, Stabilisation durch die Verbindungen von Druck und Zugsystemen in ein in sich tragendes Objekt, anzuwenden ist davor schon verwendet worden. Jedes Speichenrad basiert auf diesem Wissen. Sozusagen „hängen“ wir in einem Rad, wenn wir auf einem Fahrrad sitzen, und stehen nicht darauf.

Nach dem ich einige unterschiedliche Tensegrities mit diversen Materialien und Formen gebaut habe, wollte ich ein symmetrisches mit einer definierten Funktion erstellen. Tische, Regale, Sitzobjekte, … waren meine ersten Gedanken. Als Khristina Vysotskaya und ich unsere gemeinsame Ausstellung in Minsk mit dem Titel „Windows and Bridges“ im Frühjahr 2022 planten und überlegten, und wir eine Konstruktion suchten, in der wir unsere Gewebe präsentieren konnten, kam von Khristina der Wunsch nach einer Brückenkonstruktion. Ich dachte sofort an eine Tensegrity- Brücke, schon alleine deswegen, da keine baulichen Maßnahmen in der Galerie erlaubt waren. Eine Konstruktion, die in sich genug Stabilität besitzt, um gewebte Arbeiten präsentieren zu können. Die durch ihre Konstruktionsweise wenig Material benötigt, und optisch große Räume erzeugt. Anleihen nahm ich mir von diversen Hängebrücken, unter anderem an der Golden Gate Bridge in San Franzisko USA. Nach dem Bau einer Materialskizze und Besprechung mit Khristina entwickelte ich einen weiteren Prototyp in Maßstab 1:5 aus Bambusstäben und Drachenleinen. Wir besprachen einzelne Aspekte durch, sodass ich einen Konstruktionsplan zeichnen konnte. Die Erstellung der Bridge konnte ich aus diversen Gründen nicht selbst durchführen. Khristinas Vater, Ingenieur Igor Vysotskaya, ein begnadeter Tischler, setzte die Konstruktion mit einigen Abänderungen um. Bambus blieb als Material für die Druckelemente erhalten. Die Zugelemente wurden mit dünnen Stahlseilen ausgeführt. Die gesamte Konstruktion ist 4m lang, 2m hoch und 1,4m tief.

Diese Tensegrity Kunstarbeit ist für die Ausstellung „Windows and Bridges“ in der Kunstgalerie von L. D. Shchamylev in Minsk Belarus (20. Oktober – 20. November 2022) entwickelt worden, um den künstlerischen Kontakt aufrecht zu erhalten

Bambus
Bambus wird in vielen Regionen der Erde als Baummaterial verwendet. Oft werden die Verbindungen der Stäbe gebunden. Da es sich bei diesem Material aus Gras und nicht aus Holz handelt, gibt es im Inneren der Bambusstäbe Hohlräume. Es können herkömmliche Verbindungen wie Schauben und Nägel nicht in der gleichen Form als üblich verwendet werden. Die Verbindungen der Bambusstäbe mittels Seile oder bastartigen Fasern ist somit bekannt und traditionell verwurzelt.

Stahlseil
Stahlseile sind ebenfalls bei größeren Konstruktionen im Einsatz. Wegen ihrer hohen Zugfestigkeit wird aus sie vor allem bei Hängesystemen zurückgegriffen. Bei Seilbahnen, Hängebrücken, Abspannungen von Masten, können wir sie in unserem Alltag begegnen.

The Bridge – Detailaufnahme 2022
Detailaufnahme von Prototypen (Bambus und Drachenschnur) Maßstab 1:5
meine ersten Skizzen eines symetrischen Tensegrities aus dem Jahr 2019